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Akkordorientiertes Solieren

von Ben Madwitch

 

Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die ein Solo – objektiv gesehen - professionell klingen lassen und andere wiederum unprofessionell. Ein wirklich grundlegender Faktor jedoch ist, welche Töne Du in Deinem Solo verwendest. Kurz gesagt „was“ Du spielst. Neben dem „was“ gibt es auch noch das „wie“ Du etwas spielst (z. B. mit einem Clean Sound oder Verzerrten Sound, Anwendung von Vibrato, String Bending etc. also Deine Phrasierung usw.). In diesem Artkiel werden wir uns mit dem „was“ gespielt wird beschäftigen. Um ein Solo professionell klingen zu lassen, kommt es besonders auf die richtige und bewusste Wahl der Töne an, die Du in Deinen Soli verwendest (wie bereits erwähnt gibt es noch VIELE weitere Faktoren, jedoch ist dieser Faktor ein sehr guter Startpunkt). Um die Dinge die Du in diesem Artikel lernen wirst in der Praxis anwenden zu können, spielt es übrigens keine Rolle, welche spielerischen Fähigkeiten Du derzeit besitzt (wie Du später sehen wirst).

Also, wie kannst Du herausfinden, welche Töne Du in der jeweiligen Situation verwenden kannst, um Deine Soli & Improvisationen immer gut und harmonisch klingen zu lassen? Dafür ist es nötig, dass Du weißt über welche Akkorde Du solierst. Das wird auch als „Akkordorientiertes solieren“ bezeichnet. Der Begriff sagt es schon: Du orientierst dich beim Solieren/Improvisieren an den jeweilig gespielten Akkorden.

 

Als Beispiel verwenden wir eine simple Akkordfolge in A Moll und die Verwendung der A Moll Tonleiter. Die Akkordfolge ist Am G, Dm und C. Um Dein Solo gut und professionell klingen zu lassen, solltest Du die einzelnen Phrasen immer mit einem Ton beginnen und beenden, der in dem jeweiligen gespielten Akkord enthalten ist. Weiterhin solltest Du auch nur die in dem Akkord enthaltenen Töne betonen bzw. länger klingen lassen. Aus diesem Grund ist es (besonders beim improvisieren) wichtig, dass Du die Akkordfolge kennst, BEVOR Du darüber spielst. Nur so kannst Du wissen, welche Töne Du betonen bzw. länger aushalten kannst.

Schauen wir uns die Akkordfolge etwas genauer an

 

A Moll besteht aus den Tönen A, C und E. Diese Töne wollen wir unserer Phrase betonen und besonders hervorheben. Diese 3 Töne sind die „stabilsten“ Töne, wenn Du über den A Moll Akkord spielst.

Hier eine Beispiel Phrase

 

Die Phrase beginnt mit dem Ton A (das ist der Grundton des A Moll Akkords - passt also perfekt). Dann spielen wir ein C (ist auch im A Moll Akkord enthalten) gefolgt von einem F als Durchgangston (dieser wird nicht betont oder länger gehalten und wird deswegen kaum wahrgenommen). Beendet wird die Phrase mit einem E, welcher wieder perfekt zum A Moll Akkord passt (Du erinnerst dich: A Moll besteht aus A, C und E).

Das gleiche Prinzip verwenden wir jetzt bei allen anderen Akkorden und bilden für jeden Akkord kleine Phrasen.

So zum Beispiel

Solobeispiel anhören (midi-file)

 

Natürlich ist das ein recht simples Solo, mit einfachen Rhythmus, ohne jegliche Verzierungen wie Vibrato, String Bending etc. Aber darum geht es auch nicht – zumindest nicht jetzt, zu diesem Zeitpunkt. Worauf ich hinaus will ist, dass Du siehst, dass Du keine hohen technischen Fähigkeiten, professionelles Equipment etc. benötigst, um ein gut klingende Soli zu schreiben oder zu improvisieren. Es kommt hier auf das Prinzip an und NICHT auf das Beispiel. Mit „gut klingend“ meine ich nicht Deine persönliche Meinung. Was ich damit meine ist, dass das Solo nicht „unsauber“ und „schief“ bzw. disharmonisch klingt. Die betonten, länger gehaltenen Töne passend perfekt zu den jeweiligen Akkorden. Deswegen klingt alles harmonisch und „sauber“. Wenn Du irgendwelche Töne aneinander reihst die keinen Bezug zu den Akkorden haben, wird sich das jeder Zuhörer mit 2 gesunden Ohren nicht lange anhören bzw. als „gut klingend“ beurteilen – auch wenn das Solo noch so virtuos ist und Du den coolsten Sound auf Erden hast.

Wenn Du dieses Prinzip in Deinem Gitarrenspiel anwendest, wird das den Klang und die Qualität Deiner Soli und Improvisationen SOFORT verbessern. Mit der Auswahl der Töne die Du verwendest, bildest Du ein grundlegendes Fundament für Deine Soli und Improvisationen. Darauf kannst Du aufbauen und z. B. Verzierungstechniken, andere Sounds etc. verwenden um Deine Soli noch professioneller zu machen. Du kannst den tollsten Sound und die tollsten technischen Fähigkeiten besitzen. Wenn Du die Töne nicht zu den gespielten Akkorden passen, wird Dein Solo schief (disharmonisch), unsauber und unprofessionell klingen.

Schreibe einfach ein paar Akkordfolgen und analysiere die Akkorde, sodass Du weißt welche Töne die einzelnen Akkorde enthalten. Spiele dann über jeden Akkord eine Phrase. Versuche diese immer mit einem Akkordton zu beginnen und zu beenden. Versuche Akkordtöne in Deinem Solo zu betonen und länger klingen zu lassen. Die anderen, nicht Akkordtöne, solltest Du nur als Durchgangstöne verwenden (also nicht länger klingen lassen oder anderweitig betonen). Solange Du diese Tipps beachtest, bist Du immer auf der sicheren Seite und Deine Solo wird gut und sauber klingen. Deine Soli und Improvisationen werden wesentlich Selbstbewusster und professioneller klingen!

 

Wenn Du ab jetzt ein Solo schreibst oder Improvisierst, dann analysiere BEVOR Du mit dem spielen beginnst, über welche Akkorde Du solierst und aus welchen Tönen der jeweilige Akkord besteht. Beachte, wenn dieses Thema neu für Dich sein sollte, das Deine ersten Versuche eventuell nicht sofort die tollsten Soli oder Improvisationen sein werden. Es wird am Anfang etwas Zeit in Anspruch nehmen die Akkorde rauszuhören und zu wissen, aus welchen Tönen der jeweilige Akkord besteht. Das wird sich jedoch mit der Zeit und Übung ändern. Gib nicht auf und gebe immer Dein bestes! Dieser Prozess gehört dazu, Du kannst ihn nicht überspringen oder vernachlässigen, wenn Du gute Soli und Improvisationen schreiben und spielen willst und Deine Fähigkeiten als Gitarrist und Musiker verbessern willst. Du musst so oder so diesen Weg gehen. Umso konstanter Du es übst, umso eher wirst Du die Akkordtöne von ganz alleine wissen, ohne großartig überlegen zu müssen (weiterhin ist das raushören von Akkorden sehr effektiv um Dein Gehör zu verbessern). Besonders beim Improvisieren wird es am Anfang eventuell schwierig sein, dass Du sofort weißt welcher Akkord gerade gespielt wird UND welche Töne dieser Akkord enthält. Um die Dinge am Anfang etwas einfacher zu machen, kannst Du deine eigenen Akkordfolgen schreiben und ein Solo über diese Akkorde spielen. So kannst Du dich einzig und allein auf die Auswahl der Töne und das solieren konzentrieren und muss nicht erst analysieren welche Akkorde gespielt werden.

 

 

Fragen, Feedback, Kritik oder sonstiges? Dann Schreibe mir einfach an ben[at]benmadwitch.de

© 2010 Ben Madwitch

 

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